Der Schiefe Schillerporling namens Chaga
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Der bis zu 40 cm breite, tiefschwarze Chaga wächst parasitär über viele Jahre an Birkenstämmen, seltener auch an Erlen. Botanisch als Inonotus obliquus bekannt, bildet er sogenannte sterile Sklerotien – harte, kohleartige Knollen mit rissiger Oberfläche und zimtbraunem Inneren. Diese bestehen aus dichtem Myzel und dienen dem Pilz als Speicherstruktur in extremen Klimazonen wie in Lappland oder Sibirien.
Neben dem typischen Knollenwuchs kann der Schiefe Schillerporling auch flächig ausgebreitete Fruchtkörper von bis zu einem Meter Länge bilden. Diese sind zunächst ledrig, werden beim Trocknen jedoch brüchig. Die Porenstruktur erscheint schiefstehend-eckig – daher der Name – und orientiert sich wie bei vielen Porlingen gravitropisch in Richtung Erdmittelpunkt.
Die Röhrenmündungen sind anfangs honigbraun und silbrig glänzend, später fast schwarz. Eine besonders spannende Eigenschaft des Chaga ist sein enormer Melaningehalt, der für die intensive Färbung verantwortlich ist – und der ihn in der Forschung interessant macht – etwa im Rahmen von Studien zur Pigmentforschung und zellbiologischen Eigenschaften.

⚠️ Verwechslungsgefahr
Die knolligen Fruchtkörper des Chaga können mit anderen dunkelporigen Holzpilzen wie dem Vielgestaltigen Schillerporling (Inonotus hispidus) verwechselt werden. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal: Chaga wächst zunächst unter der Rinde und bricht diese erst später auf – im Gegensatz zu anderen Arten, die direkt auf der Rinde erscheinen.
Zudem wird die Chaga-Knolle häufig mit Baumverwachsungen oder Verkohlung verwechselt – was das Sammeln für Ungeübte erschwert. Für den kulinarischen Einsatz ist Chaga uninteressant, da er ungeniessbar hart ist. Doch die wissenschaftliche Aufmerksamkeit, die ihm gilt, macht ihn zu einem der am intensivsten erforschten Wildpilze des Nordens.
Traditionelle Nutzung im hohen Norden
In nördlichen Regionen Europas und Asiens wird Chaga seit Jahrhunderten als Aufguss verwendet. Besonders in Finnland, Russland und Sibirien werden kleine Stücke der getrockneten Knolle traditionell über längere Zeit in heissem Wasser ausgezogen. Dabei entsteht ein dunkles, erdig schmeckendes Getränk, das optisch an Kaffee erinnert, jedoch deutlich milder und weniger bitter ist.
Seine typische Zusammensetzung entwickelt Chaga erst durch das jahrelange Wachstum an lebenden Birken. Während dieser Zeit nimmt der Pilz verschiedene natürliche Pflanzenstoffe aus seinem Wirt auf und bildet zugleich eigene Verbindungen. Dazu gehören Polysaccharide wie Beta-Glucane, Melanine sowie weitere sekundäre Stoffe, die heute Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen sind.
Warum Chaga bevorzugt an Birken wächst
Die Birke bietet dem Schiefen Schillerporling besondere Wachstumsbedingungen. Chaga dringt über Verletzungen in die Rinde ein und entwickelt sich anschliessend langsam im Holz weiter. Das sichtbare schwarze Sklerotium ist dabei nur ein Teil des Pilzes. Ein weit verzweigtes Myzel (das Wurzelgeflecht eines Pilzes) befindet sich im Inneren des Baumes und kann dort über viele Jahre bestehen.
Die schwarze, rissige Aussenschicht schützt die Knolle vor Kälte, UV-Strahlung und starken Temperaturschwankungen. Diese robuste Struktur ist besonders gut an die extremen Bedingungen der nördlichen Wälder angepasst.
Nachhaltige Wildsammlung
Da Chaga sehr langsam wächst und überwiegend wild gesammelt wird, ist eine verantwortungsvolle Ernte besonders wichtig. Die Knolle sollte nur teilweise entfernt werden, damit sich der Pilz weiterentwickeln kann. Zudem wird Chaga idealerweise ausschliesslich von lebenden Birken geerntet, da abgestorbene Bäume andere mikrobielle Bedingungen aufweisen und die Qualität des Rohstoffs beeinträchtigt sein kann. Ein Anbau von Chaga ist bis heute nicht möglich.
Für hochwertige Chaga-Produkte spielen deshalb Herkunft, Erntezeitpunkt, sorgfältige Trocknung und eine kontrollierte Verarbeitung eine zentrale Rolle. Wild gesammelter Chaga aus den nördlichen Wäldern Finnlands gilt aufgrund des kalten Klimas, der langen Wachstumsdauer und der grossen Waldflächen als besonders geschätzter Rohstoff!